Sandra Hartmann
"Solange es in Deutschland Atomkraftwerke gibt, ist mein Ziel, diese Dinger abzuschaffen." Für diese Aussage erntet Erhard Renz den Applaus von Andrea Ypsilanti und ihrem mit gereisten Wahlkampfteam, das unter anderem aus 30 Jungsozialisten besteht. "Andrea Ypsilanti kommt" steht in roten Lettern auf den blauen Fahrzeugen, mit denen die Herausforderin von Ministerpräsident Roland Koch derzeit durch Hessen tourt. Die sind übrigens mit bivalenten Motoren ausgestattet - fahren also sowohl mit Erdgas als auch mit herkömmlichem Sprit.
"Unsere Partei hat inzwischen gelernt, dass es sich bei der Atomkraft um eine nicht beherrschbare Technologie handelt", sagt die Spitzenkandidatin, die das Thema umweltfreundliche Energien zu einem Schwerpunkt ihres Wahlkampf-Programms gemacht hat.
Sie fordert außerdem ein atomfreies Hessen. "Ich weiß, das ist ein ambitioniertes Programm und von der CDU wird es als Utopie abgetan", so die Wahl-Frankfurterin. Aber bei ihrer Tour habe sie die Erfahrung gemacht, dass sich sowohl die Bevölkerung als auch mittelständische Unternehmen für erneuerbare Energien einsetzen wollten. "Es braucht politischen Handlungsmut. Und es braucht Pioniere wie Sie", sagt Ypsilanti zu Erhard Renz, der sofort einhakt: "Ich werde jetzt `Sonnenflüsterer` genannt."
Als "Sonnenflüsterer" und Vertreter des Vereins "MetropolSolar Rhein-Neckar" war es auch Renz´ Aufgabe, der Landespolitikerin Bürstadt und seine Solarprojekte vorzustellen - momentan eher "Baustellen", wie Renz es ausdrückte. "Wir haben die weltgrößte Dachphotovoltaikanlage, allerdings sind einige Module defekt, so dass die Anlage derzeit nur halb so viel leistet wie sie kann. Außerdem ist der Motor der nachgeführten Anlage am Ortseingang im Norden zurzeit außer Betrieb", begann Renz. "An der dritten Baustelle befinden Sie sich jetzt. Seit einem Jahr würde ich hier gerne eine Solaranlage bauen, aber ein paar Anwohner machen Probleme und haben eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gegründet." Ypsilanti erkundigt sich sofort nach den Gründen hierfür, und Renz erklärt von den zahlreichen Gutachten, die schon vorgelegt wurden, die Schall- und Lichtreflexionen ausschließen.
"Ich bin mir sicher, wir ziehen das Ding durch", gibt sich Renz optimistisch. "An jeder Lärmschutzwand sollten solche Anlagen gebaut werden, sollte Strom produziert werden", fügt er hinzu. "Wir haben hier noch eine Lücke zu schließen. Hier wird wieder eine mehrere hundert Meter lange Lärmschutzwand nötig sein, wenn der nächste Bauabschnitt kommt. Und im Bebauungsplan sollten wir uns bereits daurauf festlegen, dass eine Photovoltaikanlage gebaut wird", bekräftigt Franz Siegl, Fraktionsvorsitzender der Bürstädter SPD. Die Spitzenkandidatin stimmt ihm zu: "Überhaupt sollte vorgeschrieben sein, dass Neubauten mit erneuerbaren Energien arbeiten sollten."
Auf dem Dach der Biogas-Anlage will Renz auch eine Photovoltaikanlage sehen. Das Kraftwerk, das zurzeit neben der Kläranlage entsteht, war eine weitere Station der Sommer-Tour. Hier erfuhr Andrea Ypsilanti, dass "wir mit dem Strom, der hier erzeugt wird, alle Haushalte in Bürstadt versorgen könnten", so Investor Oliver Senczek. Der betont, dass die Biogas-Anlage eine Sicherheit für Landwirte biete: "Wir schließen Verträge auf zehn Jahre ab. Und wir schauen nicht danach, wie groß die Maispflanze gewachsen ist, die angeliefert wird, sondern achten nur auf den Energiewert. Es ist also egal, wie gut die Ernte ausfällt."
Ingenieur Mathias Neuss zeigte der Politikerin noch das Herzstück der Anlage, den riesigen Motor des Blockheizkraftwerks. "Die Farbe wird Ihnen gefallen: Er ist rot", witzelt Senczek.